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Schüler Union diskutiert mit Hubert Hüppe über Inklusion

Hüppe hält zusätzliche Förderschule in Werne für den falschen Weg

03.12.2019 Zu einer Diskussion unter dem Motto „Inklusion 2019 - Zwischen Prinzipien und der Realität“ traf sich die Schüler Union (SU) des Kreises Unna mit dem ehemaligen Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und Bundestagsabgeordneten, Hubert Hüppe, im Werner Jugendzentrum JuWel. Dabei konnte der SU-Kreisvorsitzende, Tim Stohlmann, neben Gästen aus dem ganzen Kreis sogar Gäste aus Hamm begrüßen.

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Hüppe ging in seinem Eingang auf die jetzt seit zehn Jahren für Deutschland gültige UN- Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ein. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sei spätestens seit dieser Zeit ein Menschenrecht. Inklusion sei längst nicht nur ein Schulthema, sondern beginne im Kindergarten und sei gerade auch für ältere Menschen, die den Großteil der behinderten Menschen darstelle, ein wichtiges Thema. „Eines der größten Probleme von Menschen mit Behinderungen ist die Tatsache, dass die Nichtbehinderten nie gelernt haben, mit ihnen umzugehen“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Das führe zu Kontaktängsten - meistens nicht, weil man etwas gegen Menschen mit Behinderungen habe -, sondern weil man einfach nicht weiß, wie man miteinander umgeht. Dies hätte fatale Folgen, zum Beispiel im Berufsleben.

Wenn Inklusion aber ein Menschenrecht sei, so Hüppe, dann muss das auch in der realen Politik Konsequenzen haben. Als Beispiel nannte er den Fall eines schwerstbehinderten neunjährigen Mädchens aus Lünen, für das die Eltern in einem älteren Haus einen Kran für die Pflege im Bad brauchten. Für den dafür notwendigen Anbau sollte es zunächst keine Genehmigung geben, weil die Gestaltungssatzung keinen Anbau zuließ. Nicht zuletzt wegen der UN-BRK wurde dann die Genehmigung doch erteilt.                                                                                                                                                                                                                                       
Naturgemäß spielte das Thema der Inklusion in der Schule bei der Schüler Union eine große Rolle. Tim Stohlmann zitierte dazu die Beschlusslage der SU-NRW, die gegenüber diesem Thema kritisch ist und Förderschulen eher befürwortet.

Hüppe hielt dagegen und berichtete aus den Ergebnissen seiner Anfrage an den Kreis Unna bezüglich der Friedrich von Bodelschwingh Förderschule GE in Bergkamen, die für Sonderschüler aus dem Nord- und Mittelkreis zuständig sei. Diese Schule habe enorme Ressourcen. Für 302 Schüler gäbe es 83 Lehrkräfte und 46 Integrationshelfer und FSJler. Allein für die Fahrtkosten wären im letzten Jahr über 700.000 € ausgeben worden. Das Ergebnis der immer wieder gelobten intensiven Betreuung sei dagegen erschreckend: Von den Schülern, die im letzten Jahr die Schule verlassen haben, hat keiner einen Ausbildungsplatz und lediglich nur einer einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt bekommen. Warum diese Schule dann noch das Berufswahlsiegel verliehen bekommen hat, sei Hüppe völlig schleierhaft.

Kritische Worte fand der Werner Politiker auch zu den Plänen der Jugendhilfe Werne, eine neue Förderschule zu errichten. „Ich verstehe zwar, dass es gerade bei den von der Jugendhilfe in deren Einrichtungen betreuten Kindern und Jugendlichen schwierig ist, Plätze in Regelschulen zu bekommen, aber diese jungen Menschen auch noch in der Schulzeit zu isolieren, ist absolut der falsche Weg!“ fasste er seine Meinung zusammen. Stattdessen müssten die Regelschulen entsprechend ausgestattet werden. Er forderte einen runden Tisch der beteiligten Behörden, um im Umkreis entsprechende Anstrengungen zu unternehmen, damit man allen Schülern gerecht werden könnte. Eine weitere Förderschule würde nur teurer und würde insbesondere die Pädagogen binden, die man in den Regelschulen so dringend bräuchte. Da die Jugendhilfe Werne letztendlich ein katholischer Träger ist, wäre es noch besser, wenn sie vorangehen würde und die erste wirklich inklusive Schule der Diozöse Münster gründe.

Am Ende seiner Ausführungen ging Hüppe auch noch einmal auf die Teilhabe im Alter ein. Gerade in einer Stadt wie Werne, in der viele alte Menschen leben, sei jeder Cent, den man in Barrierefreiheit investiere, eine Investition in die Zukunft. Dabei denke er nicht nur an Fahrstühle und abgesenkte Bordsteine, sondern auch an verständliche Sprache und einfache Bedienbarkeit. Hüppe: „Ich kenne viele Ältere, die zwar in Werne körperlich in der Lage sind, auf den Bahnsteig zu gelangen, aber nicht an eine Fahrkarte.“ Warum, so stellte er die Frage in den Raum, könnte man sich nicht mit der Fahrradstation und der Bahn darauf einigen, wenigstens die einfachen Fahrkarten nach Dortmund und nach Münster zu verkaufen.

Zum Schluss der angeregten Diskussion, die viel länger als geplant dauerte, kündigte Tim Stohlmann an, das Thema weiter zu verfolgen und auch möglicherweise auf der Landesebene der Schüler Union noch einmal zu diskutieren.


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